Wer kontrolliert die Welt?
Februar 10, 2009
Wenn Kontrolleure sich nicht mehr über Kontrolle beschweren,
sollten sich Kontrollierte gegen Kontrolle wehren?
Die Bahn macht mobil – schon an sich ein bemitleidenswerter Werbeslogan, bei all den Verspätungen der Züge. Ebenso erbärmlich ist die Reaktion der Mitarbeiter unter König Mehdorn. Unverständnis? Skepsis? Wut? I wo! Arme deutsche Streikkultur. Da schaut der politikinteressierte Student recht wehmütig nach Frankreich. Geht da etwas gegen den Strich der Leute, gibt es Aufstände. Natürlich nicht immer mit Erfolg, aber schon oft sind in Frankreich genau wegen dieser Streikkultur Gesetze gekippt worden.
Die Deutschen verharren im Gegensatz in allgemeiner Schockstarre. Aktionismus beinhaltet im Anschluss immer eine gehörige Portion Obrighörigkeit. Spontan, unangemeldete Demos? Nicht mit dem guten, alten deutschen Staatsbürger. Hier wird vorher angekündigt, mit einer Frist von mindestens zwei Tagen, ein Antrag ausgefüllt (nennt sich „Anmeldung einer Versammlung unter freiem Himmel“), eine verantwortliche Person bestimmt, ein Aktenzeichen gesetzt, *schnarch* *gähn* Ähhh.. was? Achso.. Demos. Ja ne, ihr seid uns zu links, rechts, neoliberal, kommunistisch, hässlich, schön, ihr dürft nicht. Schon war’s das wieder mit Aktion – erfolgreich vermieden, vielen Dank geliebte Bürokratie.
Das gallische NRW Semesterticket
März 21, 2008
Das NRW Semesterticket. Für viele Unis in unserem Lande bald eine Selbstverständlichkeit. Ob Bochum, Siegen, Düsseldorf oder Dortmund, bald geht es mit den öffentlichen Verkehrsmitteln quer durch Nordrhein Westfalen. Ungefähr 35 Euro mehr müssen die Studenten der Unis dafür berappen. Ein annehmbarer Preis für vollkommene Freiheit. Mal eben von Düsseldorf nach Köln um den Erzfeind auszukundschaften oder zu sabotieren? Ab dem Sommersemester 2008 kein Problem mehr.
Doch natürlich.. Es gibt ein gallisches Dorf unter den Hochschulen. Unsere Universität zu Duisburg-Essen kann sich über einen „schönen“ AStA freuen und wehrte sich erfolgreich gegen die Einführung zum kommenden Semester. Komischerweise hat es hier nicht funktioniert, die vorhandenen Angebote der Verkehrsbetriebe aufzunehmen, an die Studenten weiterzugeben, abstimmen zu lassen und zu implementieren. Obwohl es natürlich kein schlechtes Wahlkampfthema gewesen wäre, oder?
Aber wollen wir ehrlich bleiben: Es gibt Lücken in unseren Informationssystem. Auch wir Gallier haben von diesem ominösen NRW Semesterticket mitbekommen. Und ach.. ich vergaß: Auch alle jetzigen Koalitionsmitglieder des AStA warben mit der Einführung dieser umfassenden Billets. Schade nur, dass die Abstimmung durch uns Studenten nicht in die Wege geleitet wurde. Noch nicht einmal auf der Tagesordnung war dieser Punkt bei der ersten Sitzung des Studierendenparlaments erschienen. Als die Opposition die Aufnahme des Themas beantragte wurde dies niedergestimmt (siehe Protokoll). Wunderlich? Bei weitem nicht. Der RCDS hat kein großes Interesse an der Anführung des Tickets- der Koalitionspartner (Jusos) wohl schon.
Nun gibt es einen widerwilligen Plan. Schon zum Wintersemester 2008/2009 könnten wir in den Genuss der grenzenlosen Bus- und Bahnnutzung kommen. Im Juni soll die Urabstimmung stattfinden. Was noch fehlt, ist ein klares Konzept. War dieser Aufschub im Endeffekt nur eine Hinhaltetaktik, um ein anderes Angebot der Verkehrsbetriebe zu bekommen? Wie sollte es anders sein: Das Wort „Solidarität“ stört den RCDS im aktuellen Angebot. So heißt es beim jetzigen Stand, entweder alle oder niemand bekommen das Ticket. Dadurch kann der Preis möglichst gering gehalten werden. Bei einem Buchungsmodell darf jeder selbst entscheiden, ob er das NRW Ticket bekommen möchte oder nicht. Prinzipiell ja nicht schlecht gedacht: Alle Vati-BMW-Fahrer könnten sich so die zusätzlichen Euros sparen, um sich ein weiteres Polohemd zu kaufen. Nur schade, dass der Preis des Tickets dadurch bestimmt nicht so gering gehalten werden könnte. Viele Studenten, die sowieso schon durch eine weite Anfahrt gebeutelt sind, müssten so doch tiefer in die Tasche greifen.
Erst verspäten und dann auch noch verteuern, nicht das erste Armutszeugnis in der noch jungen Regierungsphase unseres glorreichen AStAs. Ganz unter dem Thema: Solidarität- Nein danke!
Vielen Dank, Frau Bundesministerin!
Februar 9, 2008
Das Geschrei war groß. Im Endeffekt musste sich selbstverständlich jeder zu diesem Thema äußern. Angefangen damit hatte Roland Koch. Er brachte das Thema der Jugendkriminalität auf die Agenda zum Landtagswahlkampf 2008 in Hessen. Und so wie es unsere Medienlandschaft erwartet, mussten natürlich alle anderen Parteien Stellung beziehen. Von der Opposition gab es grundlegende Ablehnung gegenüber Kochs Vorgehensweise. Ich möchte auch nicht noch einmal auf die Thematik eingehen, mir ist nur folgendes aufgefallen, beziehungsweise nicht aufgefallen: Wo in dieser gesamten Diskussion war Frau Ursula von der Leyen? Wo war unsere Ministerin für Familie und Jugend? Diejenige Ministerin, die sich im Grunde als Erste hätte hinter die Jugendlichen stellen müssen. Diejenige, die diese Jugendlichen vor den Angriffen von Herrn Koch hätte schützen müssen. Diejenige, die in diesem Moment sinnvolle (!!) Konzepte hätte ausarbeiten müssen. In solch einem Zusammenhang bin ich wirklich enttäuscht von ihr als Bundesministerin. Wofür werden denn solche Ämter eingerichtet, wenn die Minister ihrer Arbeit nicht nachgehen? Mir stellt sich nachstehende Frage: Warum hat sie sich nicht geäußert? Entweder muss diese Frau vollends inkompetent sein (was ich ihr erstmal nicht vorwerfen möchte) oder aber sie wird innerhalb der Partei zurückgehalten. Ihr wird nahegelegt: „Ursel, du musst die Partei unterstützen. Es geht um den Wahlkampf, da hast du nicht gegen zu reden.“ Aufgrund von Machtgeilheit wird hier auf das Wohl der Jugendlichen verzichtet, das finde ich, gelinde gesagt, eine riesige Schweinerei.
Be voted!
Februar 1, 2008
Ein allgemein komisches Gefühl. Das erste Mal „aufgestellt“ zu sein. Auch wenn es nur die Wahlen zum Fachschaftsrat Sozialwissenschaften waren, Spannung war da. Auch Wahlwerbung unsererseits am Campus hat es gegeben. Inklusive Wählergesprächen, Überzeugungsversuchen (natürlich nur legitimer Art) und obligatorischem Kaffee, Glühwein und Werbezetteln.
Dabei ist es schön, dass solche kleinen Aktionen schon eine Auswirkung haben können. Im Endeffekt war ich schon sehr überrascht von dem Wahlergebnis. Obwohl ich nun gerade mal ein halbes Jahr dabei bin, habe ich den zweiten Platz (von insgesamt 23) erreicht. Nun bin ich also gewähltes Mitglied des Fachschaftsrates Sozialwissenschaften an der Universität Duisburg- Essen. Mit mir sind wir insgesamt 15, die dieses Amt bekleiden. Wir sind also das Team, was im kommenden Jahr die Interessen der Studierenden vertreten soll.
Es gibt einige Sachen, die mir dabei vor allem am Herzen liegen. Zum einen ist da die Zeitung unserer Fachschaft – die SoWiSo (Sozialwissenschaftliche Sonntagszeitung). Damit soll vor allem die Transparenz gefördert werden. Jeder Student soll die Möglichkeit haben, zu erfahren, was Uni- intern so vor sich geht. Denn es fällt schon auf, dass viele gar nicht wissen, was wie wo und vor allem warum geschieht. Natürlich braucht es dabei auch immer ein gewisses Eigenengagement der Studierenden.
Natürlich soll auch die bisherige erfolgreiche Gremienarbeit unserer Fachschaft und die Vertretung in unterschiedlichsten Bereichen fortgesetzt werden. Denn wir sind der erweiterte Arm unserer Studenten. Dabei werden wir immer versuchen, möglichst breit gefächerte Interessen zu vertreten. An diesem Punkt kann man auch mit dem nächsten Ziel anknüpfen: Beratung der Studenten soll auch von unserer Seite aus erfolgen. Wir sind alle aktive Studenten, die schon vieles an der Uni miterlebt haben und eigentlich zu allen Problemen einen Lösungsansatz oder aber auch eine direkte Lösung parat haben.
Natürlich möchte ich mich hiermit auch nochmal bei allen Studierenden bedanken, die den Weg zur Wahlurne gefunden haben. 5,4% Wahlbeteiligung ist zwar nicht überwältigend, aber immerhin schon ein großer Fortschritt zu den letztjährigen unter 1%. Auch das wird ein weiteres Ziel der nächsten Legislaturperiode sein: Noch größere Mobilisierung von möglichst vielen Studenten.
Euch allen eine möglichst erfolgreiche Klausur- Zeit und vor allem schöne Semesterferien,
JOIS