Codename Kandt’s Backstube
März 27, 2009
Im Auftrag einer ehrvollen Mission betritt man im Herzen Duisburgs eine gar schnuckelig anmutende Bäckerei. Ziel der Mission: Unterstützung des Einzelhandels und Ablehnung der großen Ketten, des Kapitalismus. Da scheint „Kandt’s Backstube“ genau der richtige Ansatzpunkt zu sein. Schon bei dem Namen stellt man sich eine zierliche Omi vor, die jeden Morgen frühestens aus dem Bett springt, um frische, handgefertigte Brötchen und Brote zu formen. Ein wohl wahrer Genuss zum Frühstück des anspruchsvollen Studentenmagens.
Leider zerplatzt dieses Traumschloss jäh mit dem Eintreten in den kleinen Laden. Schon die Preis-Schildchen vor der umfangreichen Auswahl an Backspezialitäten machen stutzig. Irgendwo her kennst du diese Formen? Sei auf der Hut Agent! Und sowieso: Wie kann die kleine Omi heute morgen schon zehn verschiedene Arten an Brot, Puddingbrezeln, Donuts, Amerikaner, Quarkbällchen, Fruchtkuchen, und und und.. gebacken haben? Der Agent merkt schnell: Da ist was faul. Doch die Flucht ist nun nicht mehr möglich. Die recht uncharmante Mittdreißigerin hinter der Theke hat den Gegenangriff gestartet: „Watt darfs denn bidde sein?“ Spätestens bei dem Namen der Brötchen ist klar, wie der Hase hier läuft. „Kornknacker“? Eindeutig! So heißen die Schrippen bei der alles-umfassenden Bäckerei-Kette „Müllers Backladen“ aus Duisburg. Nicht nur, dass sie mit 13 Filialen versuchen, den gesamten Bäckereifachverkauf in Duisburg zu zerstören, sie backen auch noch gar unbeschreiblich schlechte Brötchen. Der niedergeschlagene, gar als gebrochen zu bezeichnende Geheimagent verlässt mit zwei pappigen Brötchen die Filiale und wart nie wieder gesehen.
Für den Kampf gegen Kamp’s, Müller’s, McDonald’s & Co!
Wer kontrolliert die Welt?
Februar 10, 2009
Wenn Kontrolleure sich nicht mehr über Kontrolle beschweren,
sollten sich Kontrollierte gegen Kontrolle wehren?
Die Bahn macht mobil – schon an sich ein bemitleidenswerter Werbeslogan, bei all den Verspätungen der Züge. Ebenso erbärmlich ist die Reaktion der Mitarbeiter unter König Mehdorn. Unverständnis? Skepsis? Wut? I wo! Arme deutsche Streikkultur. Da schaut der politikinteressierte Student recht wehmütig nach Frankreich. Geht da etwas gegen den Strich der Leute, gibt es Aufstände. Natürlich nicht immer mit Erfolg, aber schon oft sind in Frankreich genau wegen dieser Streikkultur Gesetze gekippt worden.
Die Deutschen verharren im Gegensatz in allgemeiner Schockstarre. Aktionismus beinhaltet im Anschluss immer eine gehörige Portion Obrighörigkeit. Spontan, unangemeldete Demos? Nicht mit dem guten, alten deutschen Staatsbürger. Hier wird vorher angekündigt, mit einer Frist von mindestens zwei Tagen, ein Antrag ausgefüllt (nennt sich „Anmeldung einer Versammlung unter freiem Himmel“), eine verantwortliche Person bestimmt, ein Aktenzeichen gesetzt, *schnarch* *gähn* Ähhh.. was? Achso.. Demos. Ja ne, ihr seid uns zu links, rechts, neoliberal, kommunistisch, hässlich, schön, ihr dürft nicht. Schon war’s das wieder mit Aktion – erfolgreich vermieden, vielen Dank geliebte Bürokratie.
Großstadtkotze.
Januar 30, 2009
Der Bus zur Universität. Überfüllt mit Schulkindern. Eine Begebenheit wie alle anderen, eine Fahrt wie sie jeden Tag statt findet. Doch dann! Der Bus stoppt an einer Haltestelle. Schülermassen strömen gen Freiheit. Darunter ein 14 jähriger „Punk“. Irokesenschnitt. Zerrissene Klamotten. Nazis-Raus-Sticker. Cool! Oder nicht? Plötzlich erdreistet sich ein russisch-stämmiger Mitbürger dieses anti-neoliberale, anti-kommerzielle, marxistisch-leninistisch anmutende Bild des „Punks“ zu zerstören. Gerade als sich die Hintertüren des Busses schließen wollen, springt der Russe auf und ruft dem jungen Menschen hinterher: „Warte! Du hast etwas vergessen…!“ Die Szene beobachtend, malt man sich aus, was so ein Systemgegner vergessen könnte .oO(seine Ratte? eine Dose Bier? den Nietengürtel?) „Hier… dein Handy!“
Immer diese Nichtraucher!
April 7, 2008
Nun beschweren sie sich schon, dass sich die Raucher über das Rauchverbot beschweren. Zu meckern gibt es wirklich genug heutzutage, also beschwer ich mich jetzt mal darüber, dass sich die Anti-Raucher über die beschwerenden Raucher beschweren.
Ich kann sie gut verstehen, die Leute, die gerne mal genüsslich zum Glimmstängel greifen. Selber habe ich es vor zwei Jahren aufgegeben. Somit muss ich es nun nicht mehr miterleben, wie aus dieser Gruppe Mensch eine ethnische Minderheit gemacht wird. Eingesperrt in gelbe Linien (Bahnhof), ein kleines Hinterzimmerchen (Kneipe) oder zusammengepfercht unter einer Abzugsglocke stehen sie da und fühlen sich wie der ausgegrenzte Abschaum der Gesellschaft. Da würde ich mich auch beschweren! Dieser ehemals grundsolide Anteil der Bevölkerung, jetzt nur noch eine Randnotiz der Kulturgeschichte?
Doch am allerliebsten sind mir die selbsternannten „Partyraucher“. Am helligten Tage beschweren sie sich lauthals, wenn zehn Meter weiter eine Zigarette angezündet wird, doch wenn es dunkel wird und vor allem der Alkohol in Massen fließt, dann ist es schon bald so weit. In diesen Stunden, an die sich der Partyraucher im Nachhinein natürlich nicht mehr erinnern kann, wird eine Fluppe nach der nächsten geschnorrt und skrupellos hinfort gepafft („Nee.. auf Lunge rauchen ist doch gesundheitsschädlich!“). Aha! Meine Meinung? Eine Partyraucher-Steuer, um damit die Tabaksteuer für die Raucher auszugleichen. Denn all die geschnorrten Zigaretten müssen auch bezahlt werden.
Irgendwie erinnert mich das alles ein wenig an meine letzten Jahre der Schulzeit. Dort kam die Landesregierung in Niedersachsen auf die glorreiche Idee, allen Schülern, Lehrern und Angestellten der Schule das Rauchen auf dem Schulgelände zu verbieten. Wahrlich eines der schwerwiegendsten Probleme unserer Zeit. Vor allem bei all den Schülern, die alt genug sind, selber zu entscheiden, was sie tun oder lassen. Das Ergebnis dieses Verbotes war bei unserer Schule folgendes: Die gesammelte Raucherschaft fand sich auf der gegenüberliegenden Straßenseite ein – vor einem Kindergarten.
Eine Woche.. und nie wieder!
März 4, 2008
Es war so, wie man es sich vorstellt. Niveaulos, skrupellos, unterkühlt, einfach eine unangenehme Situation. Nach nur einer Woche war für mich Schluss- aus eigenen Stücken habe ich mich gegen ein weiteres Engagement entschieden.
Neben der psychischen Belastung gibt es aber noch unendlich andere Argumente, die gegen das Erfüllen der vollen fünf Wochen Hospitanz sprechen. Aus wissenschaftlichen Gesichtspunkten habe ich kein Lernziel, geschweige denn Lernerfolg gefunden. Auch die Aussicht darauf war nicht vorhanden. Es gab keine Themen, die mich auch nur annähernd interessiert hätten. Vor allem bezogen auf meinen politikwissenschaftlichen Studiengang thematisch eine Sackgasse. Schon nach so einer geringen Zeit hatte ich das Gefühl am Ende dieser Gasse angekommen zu sein- ohne jegliche Chance umkehren zu können. Auch der andauernde Hinweis, ich sollte doch eine „Geschichte“ schreiben, konnte mir nicht weiterhelfen. Denn Big Brother, Verona Pooth oder der Versuch bestimmte Personen zu diffamieren ist kein Bereich, in dem ich journalistisch aktiv werden möchte.
Zwei mal hatte ich trotzdem die Möglichkeit einer Veröffentlichung. Bei der ersten war eine Straßenumfrage vorausgegangen. Aus journalistischen sowie empirischen Gesichtspunkten einfach lächerlich. Jedes seriöse und ernst zunehmende Medium würde sich niemals einer solchen Methodik bedienen. Natürlich war diese Umfrage, wie man es erwartet, mit der nötigen Portion Manipulation versehen. Nachdem man vier Mal die gleiche Antwort erhalten hatte, wurde die Fragestellung so umgestellt, dass gegenteilige Antworten gegeben wurden. Immer unter dem Gesichtspunkt, unterschiedliche Reaktionen vorweisen zu müssen. Für die journalistische Objektivität ein Schlag ins Gesicht.
Der zweite publizierte Artikel ist als versteckte Werbung für eine Baufirma nicht erwähnenswert. Einzig, dass der Chef des Betriebs die mit Abstand am sympathischste Person in dieser Woche gewesen ist. Die letzte Zeit verbrachte ich am Lesertelefon. Dort durfte ich mir, wie sollte man es auch anders erwarten, rechtsradikale Parolen unterschiedlicher Personen anhören. Dazu kamen noch eine Hand voll Leute, die sich nicht anders zu behelfen wussten, als diese Nummer zu wählen und ihr Leid zu klagen.
Letztendlich habe ich genau das erlebt, was ich erwartet hatte. Nur war mir vorher nicht bewusst gewesen, wie sehr mich dieser Umstand persönlich treffen würde. Nun kann ich mich wieder den Dingen widmen, die mir persönlich wirklich wichtig sind.
Einmal diese ZEITUNG und nie wieder!
Ist eine Flucht noch möglich?
Januar 29, 2008
Aufgrund der rasanten Entwicklungen unserer Welt stellt sich die in der Überschrift genannte Frage. Ich habe mich bis zum heutigen Tage gegen die Welt des Bloggens gewehrt. Doch irgendwann wird es jeden ergreifen. Vor allem bei all den Anforderungen, die man heutzutage erfährt. Die Sucht der Menschen sich mitzuteilen wird immer größer. Immer schwieriger wird es, die Fülle an Informationen zu filter. Was ist gut? Was kann ich für mich nutzen?
Wir werden immer mehr zu Phobikern der Stille. Irgendwas muss immer laufen. Und zumeist haben dies die Medien zu verantworten. Kaum jemand nimmt sich noch die Zeit, sich Zeit für nichts zu nehmen. Schnell denkt man sich, man würde Zeit verschwenden. Zeit wird immer kostbarer. Es gibt immer mehr Dinge, die man tun will. Oder auch muss. Die Welt besteht nur noch aus Dingen, die dem Menschen vorgeschrieben werden. Das Schlimme daran: Der Mensch lässt sich alles vorschreiben. Die Medien schreiben vor! Sie sagen, welche Musik die Masse hört, welche Bücher die Masse lesen oder was die Massen anzuziehen hat. Da ist es wirklich ein angenehmes Gefühl, wenn man sich bei den meisten Dingen nichts von den Medien vorschreiben lässt.
Bei den Blogs hat es die Masse aber auch mit mir geschafft. Nun habe ich auch einen. Bald wird er befüllt. Mit hoffentlich interessierenden gesellschaftlichen, politischen, kulturellen oder andersartigen Beiträgen. In diesem Sinne,
JOIS