Großstadtkotze.

Januar 30, 2009

Der Bus zur Universität. Überfüllt mit Schulkindern. Eine Begebenheit wie alle anderen, eine Fahrt wie sie jeden Tag statt findet. Doch dann! Der Bus stoppt an einer Haltestelle. Schülermassen strömen gen Freiheit. Darunter ein 14 jähriger „Punk“. Irokesenschnitt. Zerrissene Klamotten. Nazis-Raus-Sticker. Cool! Oder nicht? Plötzlich erdreistet sich ein russisch-stämmiger Mitbürger dieses anti-neoliberale, anti-kommerzielle, marxistisch-leninistisch anmutende Bild des „Punks“ zu zerstören. Gerade als sich die Hintertüren des Busses schließen wollen, springt der Russe auf und ruft dem jungen Menschen hinterher: „Warte! Du hast etwas vergessen…!“ Die Szene beobachtend, malt man sich aus, was so ein Systemgegner vergessen könnte .oO(seine Ratte? eine Dose Bier? den Nietengürtel?) „Hier… dein Handy!“

Eine Antwort zu “Großstadtkotze.”

  1. Fabio sagte

    Was für ein diskusionsfreudiges Thema du da ansprichst.
    Achja, Punker die ein Handy haben, Amerikaner die einen Schwarzen wählen, Handballer die Fußball mögen, Banker die an der Ecke stehen und betteln. Was es nicht so alles gibt.
    Beruhigen sollte zumindest, dass der Punk sein Handy vergessen hat, es folglich auch nicht das wesentliche Element seines Lebens darstellt. Aber merkwürdig ist es schon, ein Punker mit einem Handy. Da frag ich mich, was soll denn das? Aber liegt die Antwort nicht auf der Hand? Wir sind doch alle auf der Suche nach einem Platz in unserer Gesellschaft, kurz: auf der Suche nach akzeptanz. Selbst ein Punker – lassen wir mal sein Alter außen vor – dem doch eigentlich alles so egal sein sollte, fühlt sich nicht mehr in der Lage sich gewissen gesellschaftlichen Zwängen zu entziehen, um sich somit in seiner eigenen Minderheit zu etablieren.

    Ich beispielsweise habe an den letzten zwei Wochenende ein ganz anderes Bild von Punkern bekommen. Ich war nämlich mit ihnen zusammen feiern. Ja. Bei ihnen zu Hause. Das Bild, das sich mir ergab war – zumindest für mich – schockierend. Nie habe ich Menschen in ihrer eigenen Wohnung so freizügig und exzessiv feiern gesehen. Die Schäden und zwischenzeitlichen Überschwemmungen, welche aber einfach in den Hausflur ablaufen konnten, waren dabei absolut nebensächlich. Ich war erstaunt. Es gibt sie also doch noch. Und das in einer so provinziellen Stadt. Und ich: mittendrin. Auch wenn mein Auftreten nun nicht im Geringsten mit dem eines Punks zu vergleichen ist, konnte ich mich ohne Probleme und ohne Fassaden in diese Minderheit einfügen. Ohne Iro. Ohne Stickereien auf der Hose. Ohne Piercing in der Lippe.

    Worauf will ich hinaus? Sollten wir nicht alle etwas mehr so sein, wie wir sein wollen und schauen was sich ergibt. Amerikaner: wählt Schwarze, wenn sie gut sind. Punker: gibt acht auf eure Handys, wenn ihr es braucht. Bänker: schämt euch nicht zu betteln, wenn ihrs nötig habt. Handballer: guckt Fußball, wenn es euch gefällt.
    Jonas, recht hast du aber schon. Ins Bild passt es nicht. Aber was passt – auch grade im Zeitalter der digitalen Fotografie – schon nicht mehr nicht ins Bild?

    Fabio

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