Großstadtkotze.
Januar 30, 2009
Der Bus zur Universität. Überfüllt mit Schulkindern. Eine Begebenheit wie alle anderen, eine Fahrt wie sie jeden Tag statt findet. Doch dann! Der Bus stoppt an einer Haltestelle. Schülermassen strömen gen Freiheit. Darunter ein 14 jähriger „Punk“. Irokesenschnitt. Zerrissene Klamotten. Nazis-Raus-Sticker. Cool! Oder nicht? Plötzlich erdreistet sich ein russisch-stämmiger Mitbürger dieses anti-neoliberale, anti-kommerzielle, marxistisch-leninistisch anmutende Bild des „Punks“ zu zerstören. Gerade als sich die Hintertüren des Busses schließen wollen, springt der Russe auf und ruft dem jungen Menschen hinterher: „Warte! Du hast etwas vergessen…!“ Die Szene beobachtend, malt man sich aus, was so ein Systemgegner vergessen könnte .oO(seine Ratte? eine Dose Bier? den Nietengürtel?) „Hier… dein Handy!“
Handball – brutal emotional.
Januar 27, 2009
Allein das Umschalten eines Fernsehsenders kann ermüden. Erst schaut man Handball. Weltmeisterschaft. Emotionen. Tore. Kampf. Spannung. Und dann Fußball. Langeweile. Schwalben. Herumgeschiebe. Gähn.
Nur wenige Parallelen bestehen zwischen diesen beiden Sportwelten. Eine davon ist und bleibt das miserable Niveau der Kommentatoren im deutschen Fernsehn. Ob es die öffentlichen oder die privaten Sender sind, zumeist wird der interessierte Zuschauer mit falschen Aussagen und stümperhaften Einschätzungen gequält. Dies also eine der wenigen Gemeinsamkeiten. Ansonsten biete die Sportart, bei der der Ball mit der Hand geführt wird, so viel mehr. Bei Teams, die sich auf Augenhöhe begegnen, geht es hin und her. Tor um Tor wird geworfen, spektakuläre Torwartparaden erzeugen Verzückung und es geht heiß her. Ich kann nicht auf diese Platetüde verzichten: Handball ist noch ein Sport für richtige Männer. Da wird geschlagen, geschoben, getreten, es gibt verstecktes Halten (gerne am Kreis) und oft sieht man manch zerschlissenes Trikot an den Spielern hängen. Natürlich sind die meisten der aufgezählten Aktionen nicht erlaubt, aber sie gehören dazu. Wer beim Handball anfangen würde, sich absichtlich fallen zu lassen, würde gar nicht mehr vom harten Hallenboden aufstehen. Beim Fußball hingegen fällt man weich – auf Rasen. Auch ein Grund für die unendlichen Schwalben? Mich durchstößt schon beinahe Ekel, wenn ich sehe, wie ein Fußballer nach der leichtesten Berührung abhebt, um nach einem doppelten Rittberger angenehm auf dem Grün zu landen. Für „Fouls“, nach denen im Handball das Spiel weiter laufen würde, kann im Fußball ein Spieler gerne mal zum verfrühten Duschen geschickt werden. Am peinlichsten dabei: Diese Handlungen werden von mehreren Millionen Personen vor der Mattscheibe verfolgt. Dass die Fußball-“Profis“ jeden morgen noch entspannt in den Spiegel schauen können, liegt wohl vor allem an den Millionen, die sie auf ihrem Konto erblicken.
An diesem Punkt, dem lieben Geld, ergibt sich die nächste Differenzierung. Beim Handball geht es vordergründig um den Erfolg im Team. Der Zusammenhalt, der auf dem Parkett gezeigt wird, ist so in kaum einer anderen Sportart zu entdecken. Da wird gefightet bis zum Umfallen – und zwar für die Leistung! Dabei heißt es, auch in einer Negativserie eine Gemeinschaft zu repräsentieren, sich emotional hochzupushen. Beim Fußball hingegen ergeben sich Emotionen nur nach Toren. Dann werden die Kleidungsstücke vom Körper gerissen, die Oma gegrüßt, der Mitspieler geküsst oder ein Tänzchen vollführt. Doch eigentlich passiert das ganze nur zur Selbstdarstellung. Was zählt, ist der nächste Vertrag, die Statistik oder die Torprämie. Handball wird im Team gespielt – Fußball spielen 11 Einzelpersonen.
Schiedsrichter – das große Problem im Handball.
Die unterlegenen Mannschaft ist immer die betrogene, natürlich. Die Fehler werden immer wo anders gesucht, klar. Im Handball ergibt sich trotzdem das Problem, dass es nur wenige Referees auf Weltniveau gibt. Schaut man auf die Weltmeisterschaft 2009, so zeigen sich immer wieder Defizite bei der Spielleitung. Schieris sind sich uneins, übersehen deutliche technische Fehler oder haben einfach keine Linie in ihrem Spiel. Alles Dinge, die auch durch das Tempo im Spiel an sich entstehen. Trotzdem könnte durch eine weitere Professionalisierung nachgebessert werden. Hier, o weh, könnte auch der Handball-Sport noch etwas von den Kickern lernen. Auch dort sind die Unparteiischen nicht fehlerlos (wie auch?), die Akzeptanz ist aber eine höhere und ebenso die Ausbildung. In diesem Bereich wird sich in den nächsten Jahren zeigen, ob sich Handball als eine Form der sportlichen Betätigung auf Weltniveau etablieren kann.
Handball – für mich einfach brutal emotional und dadurch immer wieder ein überwältigendes Erlebnis.